Wer frittiert Euer Gehirn?

Letzte Woche erzählte meine Schwester Layla davon, wie wir Wolf kennenlernten, als sein Rudel von einem idiotischen Menschen bedroht wurde, dessen Hobby es war ‘ungewöhnliche’ Kreaturen einzufangen, um sie den Menschen zu zeigen und dabei noch den Rubel zum Rollen zu bringen. Die Begebenheit endete nicht ganz, nachdem wir eine Dame seines Rudels befreiten, die in einen Käfig auf einer Kutsche gesperrt war und scheinbar an schweren Verletzungen litt, während sie darauf warten musste, von demjenigen, der sie gefangen nahm, herumgefahren zu werden. Die Kutsche stand vor einer Hütte im Wald. Natürlich haben wir sie nicht nur befreit.

Die gefangene Wölfin schien sehr irritiert und nicht in der Lage sich zu verständigen. In unregelmäßigen Abständen verwandelte sich eines ihres Körperteile in die Gestalt eines Wolfes, doch würde sie sich nicht komplett in einen Wolf verwandeln. Auf den ersten Blick wirkte es wie ein normaler Nebeneffekt von Schock und Verletzungen, doch konnten wir gar keine Verletzungen direkt an ihr entdecken, die sie so schwer hätten leiden lassen. Als sie sich in den Schnee setzte und sich Wolf um sie kümmerte, fielen mir seltsame Abdrücke an ihrem Nacken auf. Ich näherte mich ihr, legte ihr Haar vorsichtig zur Seite und fand mehr solcher Abdrücke, wie von brennendem Material. Ich bekam gleich eine Idee wer oder was es war, das sie geschnappt hatte.

Ich ging langsam auf die Tür der Hütte zu. Diese öffnete sich mit einem geisterhaften Quietschen. Als ich die Hütte betrat, entdeckte ich einen entfachten Kamin und eine auf einem Hocker sitzende Person davor. Es war der gleiche Typ, der uns auf sich zuvor in der Taverne aufmerksam machte, der andere Lebewesen gefangen nahm, um damit reich zu werden. Ich erinnerte mich, dass er ziemliche Verletzungen von sich Trug, als er von dem Spektakel weg rannte, bei dem wir den Wölfen halfen sich gegen die wahnsinnigen Menschen zu verteidigen. Er blutete jedoch nicht mehr. Ich ging in einem Bogen langsam auf ihn zu und erhaschte die Reflexion seines Gesichtes in einem Fenster auf der gegenüberliegenden Seite. Die Reflexion zeigte sein wahres Gesicht, er war  kein Mensch. Sein spiegelndes Bild zeigte ein verwestes Gesicht. Es war sein wahres Gesicht. Es gibt nur wenige Kreaturen in dieser Welt, die ihre wahre Erscheinung durch ein Spiegelbild mit einem verwesten Antlitz zeigen – dämonische Hirngespinste ernähren sich von bestimmten Substanzen im Gehirn um zu leben und frittieren dabei wortwörtlich das Gehirn. Folglich hätte der nicht nur Andersartige Kreaturen zum Entertainment der menschlichen Masse geschnappt, sondern sich auch sowohl seine Hirnnahrung als auch persönliche Bereicherung gesichert gehabt. Wenn Andersartige diesen Kreaturen zum Opfer fallen, finden man sie höchst verwirrt vor, als hätten sie von jetzt auf eben die letzte Phase einer schweren Demenz erreicht, das kombiniert mit Halluzinationen. Durch die Verwirrtheit sind Andersartige schliesslich nicht mehr in der Lage zu kontrollieren sich in das Wesen zu verwandeln, das sie wirklich sind, lediglich teilweise wie beispielsweise im Fall eines Werwolfs nur ein Arm oder ein Bein. Hirngespinste halten das Gehirn Andersartiger für besonders nahrhaft. Selbstverständlich würden sie sich auch gewöhnlichen Menschen zuwenden und sich von deren Hirnsubstanzen nähren. Der Unterschied ist jedoch, dass wenn einer von denen ein menschliches Gehirn in seine ‘Finger’ bekommen hat, sie lediglich sehr verwirrt zurückgelassen werden und willenlos nicht in der Lage sind selbst zu denken. Das lädt Hirngespinste jedoch schliesslich erst zu weiteren Mahlzeiten ein.

Ich näherte mich der Kreatur und sobald ich ihr direkt gegenüber stand, liess es sein Verlangen nach meinem Gehirn mit einem deutlichen Schmatzen verlauten. Die Finger verlängerten sich und verwandelten sich in Tentakel. Am Ende der Tentakel waren kleine Saugnäpfe, die letztlich die Brandwunden hinterlassen, wenn das Hirngespinst mit einem fertig war. Es stand auf und machte sich zu einem Kampf mit mir bereit. Unerwartet kam Wolf in die Hütte gerannt und stellte sich in seiner Wolfsform direkt vor das Hirngespinst. Das Hirngespinst zögerte nicht lange und griff sich direkt Wolf’s Kopf, um sein festliches Mahl zu beginnen. An der Wand entdeckte ich eine Axt in einer Befestigung hängen. Ich konzentrierte mich mit meinen Gedanken auf diese Axt und löste sie mit einer kleinen Handbewegung aus der festen Halterung und liess die Axt mit meinen telekinesischen Fähigkeiten durch die Luft durch den Hals des Hirngespinstes schnellen. Wolf schrie kurz auf und wandelte sich sofort in seine menschliche Gestalt.

“Das war knapp,” hechelte er.

“Ich würde behaupten, wir sollten aufhören uns auf diese Art zu begegnen. Dein Sinn deine Art und jenen, die dir halfen, unvoreingenommen zu verteidigen ist bemerkenswert. Gern geschehen, Freund,” antwortete ich ihm ruhig und bot ihm meine Hand an.

Wir sind solchen Hirngespinsten in den letzten zwei Jahrhunderten nicht mehr begegnet, sodass ich zu der Vermutung gelange, dass wir es geschafft haben die Welt von ihnen zu befreien. Doch fällt mir ein sehr ähnlicher Effekt eines Hirngespinstes an Euch Menschen auf. Jeder von Euch hat diesen bestimmten magischen Kasten in seinem Raum stehen, der Euch sich bewegende bunte Bilder zeigt. Ihr starrt den ganzen Tag in diesen Kasten und glaubt alles, was er Euch zeigt. Ihr seid überzeugt, jedes Euch gezeigte sich bewegende Bild entspricht einem wahren Bild aus der Welt. Manche mögen es tatsächlich sein, manche wiederum nicht. Kaum anders verhält es sich mit diesen kleinen Notizblock-artigen Erfindungen, die ihr den ganzen Tag mit Euch herum tragt. Ihr seid süchtig danach, was diese kleinen schlauen Erfindungen Euch zeigen und zu sehen was irgendwer und die Mutter von jemandes Mutter auf ein weiteres lustiges Katzenvideo kommentieren. Ihr seid Sklaven dieser modernen Erfindungen geworden und großflächig nicht mehr in der Lage selbst klar zu denken. Es hat Euch vorteilhaft verletzlich gemacht Angst, Hass und blanke Dummheit in Euch zu entfachen für diejenigen, die wortwörtlich Euer Gehirn frittieren mit grossen Mengen verbogener Informationen, die Euch unnötig mehr fürchten und hassen lassen.

– Horatio

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