Du hast nach uns gesucht (Teil 1)

Es war ein weiterer dieser späten Vormittage nach einem von neuem aufwühlenden Tag und einer noch verrückteren Nacht, an denen sie von ihren Flashbacks heimgesucht wurde. Sie lag energetisch völlig ausgelaugt von der emotionalen Reaktion auf ihre Trigger wie ein Schluck Wasser auf dem Sofa und starrte auf den Bildschirm ihres Laptops, um sich mit ein paar Serien abzulenken. Das war schon immer eine ihrer Entspannungsmethoden um sich selbst wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sodass sie irgendwie auf dem Fluss des Lebens weitergleiten konnte.

Scheinbar war es ein recht windiger Tag. Eine unheimliche Zugluft spukte geisterhaft im Flur des Hauses herum. Mit der Zeit nahm der Zug zu, sodass ihre Wohnungstür irrsinnig am rütteln war, als wenn sich jemand Zugang zu ihrer Wohnung verschaffen wollte. Sie ging zu ihrer Tür und legte ein Ohr dagegen, um zu horchen, ob noch andere Wohnungstüren im Hause so dermassen rüttelten. Keine andere Tür rüttelte in ihrem Schloss. Möglicherweise war nur ihre Türe in dem älteren Gebäude am Rütteln. Sie entschloss sich im Flur nachzuschauen, ob jemand eines der Fenster dort offen gelassen hatte. Zunächst ging sie jedoch nach unten, um zu sehen, ob jemand die Haustür des Hauses mit mehreren Mietparteien hat offen stehen lassen, was bereits der Grund für die extreme Zugluft hätte darstellen können. Die Haustür war jedoch verschlossen. Folglich schleppte sie sich durch das ganze Treppenhaus, um nach offenen Fenstern zu sehen. Keines der Fenster war offen oder gar nur gekippt. Noch merkwürdiger erschien es ihr jedoch, dass sie kein bisschen einer Zugluft im Flur vernahm, als sie diesen von oben bis unten kontrollierte. Sie ging schliesslich schulterzuckend und sich die Ursache der Zugluft fragend zurück in ihre Wohnung und bereitete sich eine neue Tasse Tee an dem eher grauen und verregneten Tag zu. Sie setzte sich wieder in ihrem Wohnzimmer.

Wenige Momente verstrichen, dass die Zugluft von neuem an ihrer Tür wie wahnsinnig rüttelte. Dieses Mal war das Rütteln noch schlimmer als zuvor. Sie setzte sich auf und dachte nur: “Was zur Hölle…?”

Auf dem glatten Boden vor ihrer Tür schien sich wehend etwas sandartiges zu verteilen. Stirnrunzelnd ging sie wieder zu ihrer Haustür.

Das Salz, welches sie unter dem Türrahmen bei ihrem Einzug vor einem guten Jahr gestreut hatte, flog sanft mit einer leichten Brise in ihre Wohnung. Als die Brise abnahm mit der zeitweise weniger werdenden Zugluft, kam das leicht vor sich hin wehende Salz zum erliegen und zeichnete dezente Linien einer Fledermaus auf ihren Boden. Sie konnte kaum ihren glauben und schaute es sich genauer an, was sich vor ihren Augen darstellte. Die Salzlinien ergaben nicht nur den stilisierten Umriss einer Fledermaus, sie schienen zugleich Buchstaben darzustellen. Die Buchstaben sahen aus wie ein K, ein I und zwei S – ‘KISS’.

Ihre Wohnungstür rüttelte erneut, stärker als zuvor. Sie hätte schwören können, es sei jemand an ihrer Tür, der verzweifelt wütend an ihrem Türgriff hin und her riss, um hinein zu gelangen. Plötzlich hörte das Rütteln auf und es wurde ganz still. Ein leises Klopfen an ihrer Tür folgte.

Sie erwartete niemanden, der an jenem Tag zu Besuch kommen wollte, so frug sie sich ängstlich, wer an ihrer Tür klopfte. Auch war sie nicht sonderlich begeistert von spontanen Besuchern, wie immer. Ein zögerlicher Blick durch ihren Spion zeigte ihr zwei Fremde. Ein junger Mann mit einer jungen Dame, in etwa im gleichen Alter, warteten, dass sie die Tür öffnen würde.

“Ernsthaft? Jehovas Zeugen? Schon wieder?” frug sie sich. Die waren doch erst kürzlich bei ihr mit einem unerwarteten Besuch, den sie allerdings genoss, wenn man sie verzweifelt davon überzeugen wollte, dass Menschen nicht von Affen, sondern vom heiligen Jesus abstammen.

Zögernd öffnete sie die Tür zu einem schmalen Spalt, durch den gerade nur eines ihrer Augen blickte.

“Ja?” murmelte sie schüchtern und doch ein wenig forsch zugleich.

“Du hast nach uns gesucht,” entgegnete die Dame.

 

– Fortsetzung folgt hier

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