Als wir Wolf zum ersten Mal trafen…

Es war eine neblige und besonders kalte Novembernacht im Jahr 1358, als mein Bruder und ich durch Sibirien reisten. Wir machten in einer kleinen Taverne in einem der Dörfer für einen kurzen Snack halt. Die Dorfbewohner waren laut und betrunken, da sie hofften mit einigen alkoholischen Getränken mehr sich ordentlich aufzuwärmen. Menschen hatten damals noch nicht bemerkt, dass Alkohol den Körper nicht aufwärmt. Gerade wollten wird gehen, als mich ein Gesprächsfetzen aufhorchen liess.

Einer in Wolfspelz gekleideter älterer Mann, der einen Hut aus Bärenfell trug, erzählte prall und breit davon, wie viele Wölfe in den Wäldern in der Nähe sein würden. Doch betraf seine Prahlerei nicht nur die Anzahl der Wölfe, er behauptete auch gesehen zu haben, wie ein Mann sich vor seinen Augen in einen Wolf verwandelt habe, der schliesslich in die vom Mond beleuchteten verschneiten Hügel davon lief. “Ich mag ungewöhnliche Kreaturen,” flüsterte er seiner Runde angeregter Zuhörer zu. “Ich fange sie, einen nach dem anderen. Dann reise ich mit ihnen umher und zeig sie den Leuten. Sie zahlen gut dafür auch nur einen kurzen Blick auf die Abscheulichkeiten zu werfen. Eines Tages werde ich reich sein,” grinste er.

Es wurde uns natürlich schnell bewusst, dass dort in der Gegend Werwölfe sein mussten. Wölfe wir Werwölfe sind eher in Rudeln unterwegs und wo einer ist, werden mehrere sein. Der Mond schien voll und hell, als wir die Taverne verliessen. Ein flüchtiger Blick um die Taverne herum zeigte uns eine Kutsche, auf die ein grosser leerer Käfig aufgeladen war. Würde der Typ aus der Taverne allein in die Nacht ziehen und die Wölfe jagen? Würde er schlau genug sein sich Verstärkung mitzunehmen? Ich hoffte keines von beidem. Das Ereignis würde für keine Seite gut ausgehen. Entweder würden die Wölfe die Dorfbewohner in Stücke reissen oder die Dorfbewohner würden die Wölfe in ihrer nächtlichen verrückten Jagd zerstückeln. Das Hauptproblem war für uns mehr das unnötige Kreuzen der Wege mit den Menschen und der vornehmlich weniger zauberhafte Ausblick auf das, was auch nur auf einen Wolf warten würde.

Wir warteten vor der Taverne in den Schatten der Nacht bis der Typ rauskommen würde und sich auf den Weg machen würde. Nicht sehr lange dauerte es, bis er zusammen mit ein paar Kumpels, die er gerade erst getroffen haben mag, durch die Tür torkelte. Sie schienen sehr erwartungsvoll die Kreatur zu sehen, von dem der Typ vorhin erzählte. Sie gingen in den Wald und wir folgten ihnen leise. Da war es – das erste Wolfsgeheul, bald gefolgt vom nächsten und einem weiteren. Nach ein paar friedlichen Wolfsmondsonaten wandelte sich das Wolfsgeheul in ohrenbetäubende Aufschreie der Wölfe, die durch die kalte Nacht reisten. Man hatte wohl Fallen für sie ausgelegt. Mein Bruder Horatio und ich trennten unsere Wege an dem Punkt, um die Menschen von aussen einzukreisen, während sie dabei waren gerade die Wölfe einzukesseln, die sie offensichtlich bereits schlugen.

Als wir die die Szene betraten, standen die Wölfe in einer Lichtung inmitten des Waldes. Die Menschen kamen ihnen mit jedem Schritt, den sie machten näher. Ich konnte vergossenes Wolfsblut von weitem riechen. Die Wölfe knurrten und fletschten den Menschen gegenüber die Zähne, die scheinbar zu leichtsinnig durch die Getränke in der Taverne geworden waren, sonst hätten sie das klare Warnzeichen zum Gegenangriff in jedem Moment wahrgenommen. Einer der Menschen näherte sich einem Wolf und packte ihn. Er wirbelte ihn herum und schmiss ihn vor meine Füsse. Der Wolf schüttelte durcheinander seinen Kopf, stand auf und wusste erst einmal nicht, wen er zuerst angreifen sollte. Wolfsbisse können tödlich für Vampyre sein, auch wenn nicht unbedingt für uns ursprüngliche Vampyre, uns kann ein Wolfsbiss ebenfalls erheblich verletzen. Ich bemerkte, wie der Wolf anfing mich mit seinem Blick zu fixieren, da ich die größere anwesende Gefahr darstellte. Es wäre schwer gewesen in der Situation, in der wir auch nicht so viel Zeit hatten, den Wolf in seiner Rage zu beruhigen. So liess ich meine darauf folgende Tat für sich sprechen. Ich sprang in die Luft, schnappte den Menschen mit meinen Beinen beim Hals, drückte ihm mit meinen Fingern die Augen aus und brach schliesslich sein Genick, um seinen leblosen Körper in den Schnee fallen zu lassen.

Der Wolf schaute mich erstaunt an und nickte mir dankend zu. Zusammen gingen wir zu seinem in der misslichen Lage befindlichen Pack, wo Horatio bereits einiges an Arbeit im Verteidigen der Wölfe geleistet hatte. Ein Mensch nach dem anderen musste für seine Dummheit zahlen. Verständlicherweise konnten die Wölfe sich kaum im Zaum halten. Nur ein Mensch entkam, doch war er gut verletzt, sodass er uns eine Blutspur hinterliess, die wir später verfolgen konnten nachdem wir sicherstellten, dass die Wölfe von den Fallen am Boden befreit waren.

Zum Glück waren sie dankbar für unsere Hilfe. Sie waren nicht unbedingt alle begeistert, doch beruhigten sie sich, sodass wir ohne Verletzungen zu erleiden ihre Pfoten von den Fallen befreien konnten. Sobald sie alle frei waren, standen sie nur verblüfft vor uns, sich wundernd, warum wir geholfen hatten. Selbstverständlich hätten wir auch einfach nichts tun können, doch da Werwölfe auch Andersartige wie wir sind, helfen wir ihnen lieber in der Not, um zu vermeiden, das Menschen von unserer Existenz wüssten. Einer der Wölfe kam auf mich zu und stupste mich an meinem Bein an. Sobald er meine ungeteilte Aufmerksamkeit hatte, versuchte er davon zu rennen, das jedoch nicht gut funktionierte. Er schien eine Verletzung am Hinterbein zu haben und humpelte. Er drehte sich zu mir und starrte mich erneut an. Dann schaute er in die andere Richtung, in die er rennen wollte, als wollte er uns etwas zeigen. Ich tippte Horatio auf die Schulter und winkte ihm zu dem Wolf mit mir zu folgen.

Der Wolf ging langsamer und langsamer, doch zielstrebig zu seinem Zielt. Es war ein ziemlich langer Spaziergang durch den Wald, bis wir an einer kleinen Hütte ankamen, die einsam umringt von den Bäumen des Waldes aus dem Boden empor schoss. Vor der Hütte war eine weitere Kutsche, ebenfalls mit einem Käfig hinten drauf. Dieser war jedoch nicht leer. Als wir dem Käfig näher kamen, erkannten wir eine Frau, die nackt auf den blanken Planken des Käfigs kauerte. Sie schien schwer verletzt zu sein, sie konnte sich kaum bewegen. Ein goldenes Augenpaar schaute uns mit einem Hilfesuchenden und verzweifelten Blick an. Ohne zu zögern, brachen wir den Käfig auf und befreiten die Dame. Der Wolf, der uns dort hin führte, ging direkt auf sie zu und begann ihre Wunden sauber zu lecken. Der Typ aus der Taverne erwies sich beim Fangen einer der Wölfe erfolgreich gewesen zu sein, um mit ihnen herumzureisen, sodass er reich würde.

Dies war das erste Mal, dass wir Wolf begegneten. Als ich kürzlich ein Video sah, das sich quer durchs Internet verbreitete mit einem im deutschen Zoo gefangenen Elefanten, der geschlagen wurde, um Befehlen Folge zu leisten, so dass er zum Amüsement der Besucher Kunststücke vorführen könnte, frug ich mich, wie Ihr Menschen die Gefangenschaft anderer Lebewesen noch als zeitgemäß ansehen könnt. Es war niemals zeitgemäß andere Lebewesen einzufangen, damit man sie anschauen kann, während sie irgendwelche Tricks machen, die nicht einmal in ihrer Natur liegen. Anbetracht dessen, dass Zoos selten genug Lebensraum für eines der Lebewesen bieten kann, existieren Zoos vorwiegend nur zum Entertainment von Euch Menschen. Zoos sind nichts anderes als Vergnügungsparks und alles andere als hilfreich bei der Artenerhaltung. Kein Lebewesen wäre in seiner Art bedroht, wenn Ihr nicht den Drang verspüren würdet alles ungewöhnliche zu sammeln und damit dreisterweise ein Vermögen damit verdienen wollt.

Leben und leben lassen.

– Layla.

Kommentare 1

  • […] Letzte Woche erzählte meine Schwester Layla davon, wie wir Wolf kennenlernten, als sein Rudel von einem idiotischen Menschen bedroht wurde, dessen Hobby es war ‘ungewöhnliche’ Kreaturen einzufangen, um sie den Menschen zu zeigen und dabei noch den Rubel zum Rollen zu bringen. Die Begebenheit endete nicht ganz, nachdem wir eine Dame seines Rudels befreiten, die in einen Käfig auf einer Kutsche gesperrt war und scheinbar an schweren Verletzungen litt, während sie darauf warten musste, von demjenigen, der sie gefangen nahm, herumgefahren zu werden. Die Kutsche stand vor einer Hütte im Wald. Natürlich haben wir sie nicht nur befreit. […]

Schreibe einen Kommentar zu Wer frittiert Euer Gehirn? Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: